Zwerg Nadel

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Der Horror eins jeden Häkelfans- oder- wie ich lernte einen Zwerg zu lieben

Man möge dankbar sein, wenn man es noch nie erlebt hat. Man häkelt gedankenverloren vor sich hin, freut sich über die großartige Wolle und die unbemerkt überhäkelten Knötchen. Weil wir schon etwas weiter sind, freuen wir uns, dass wir keine Anleitung mehr benötigen und nebenbei zaubern können. Plötzlich fühlt es sich ein wenig schwammig in der Hand an, man beginnt an sich selbst zu zweifeln, weil sich die Häkelnadel in der Hand verbiegt, wird sich schon von allein geben… nein tut es nicht. Beim nächsten Hingucken, bewegt sich der vordere Teil des Hakens gerade gen Fußboden.

Da liegt sie. Das ist, als würde das Auto kaputt gehen, oder der Goldfisch sterben.

Okay, es war die verdammt alte Nadel von Omi, kann man nicht ändern, ab ins Hobbyzimmer und in die Nadelkiste, richtig Glück gehabt, eine ist noch da in der der Nadelstärke.

Geschnappt und los gehäkelt. Der nächste Horror: Assi Blues in den Fingern, nach wenigen Minuten, musste ich mein Vorhaben, weiter zu häkeln aufgeben.

Und jetzt fängt der ambitionierte Häkler an, echt panisch zu werden. Erste instinktive Handlung- richtig, die Homepage vom Häkelnadeldealer des Vertrauens auf und nach verfügbaren Modellen geschaut. Auswahl: mäßig. Logisch bei Mister exklusive.

Eine einzige, in meiner Nadelstärke 2,5. Ein Hybrid, okay, nehme ich direkt. Schnellstens angeschrieben mit der kurzen, aber eindringlichen Bitte: „Schick mir das“.

Nach auch hier, und dem Himmel sein Dank vielen Mails mit Hinweisen auf die sehr geringe Größe der Nadel, und dem ausgesprochen schlanken Äußeren, konnte ich, nach diesem riesigen Schreck, halbwegs beruhigt schlafen gehen.

Anderthalb Tage später klingelt mein persönlicher gelber Engel mit einem Paket von Royany.

Vorsichtig, schon fast bedächtig wird das Paket auf gefummelt. Und auch hier, bei dieser, aus der Not entstandenen, Blitzbestellung fehlt es nicht an der liebevollen Verpackung. Die Prinzessin in mir freut sich immer über Glitzerschachteln, und der ebenso starke Genuss- Junkie, denkt darüber nach, die Nadel liegen zu lassen, und sich dem beigelegten Tee zu widmen.

Der Häkelsucht siegt und die Nadel soll den Vorzug bekommen, also Schachtel auf, Nadel angefasst, raus aus der Schachtel und einen perfekten Salto inklusive Drehung und zwei Meter Freiflug hingelegt. Warum? Weil sie so winzig und leicht ist, dass sie quasi kein Gewicht hat.

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Das war ein super Qualitätstest, sie hat den Flug und die Landung auf dem Laminatboden, ohne jeden Schaden überstanden, was ihr ganz klar den ersten Daumen einbrachte.

Auch optisch kann die „Kleine“, durchaus mit ihren voll entwickelten Freunden mithalten.

Eine perfekt gelungene Kombination aus Holz, was den Großteil ausmacht, und Acryl. Nicht zu kitschig, nicht zu viel „Gedöns“ rund herum.

Mit solchen Eigenschaften ist es fast schon selbstverständlich, dass sie sich von ganz allein, mit jeder Art von Wolle anfreundet und mit dem größten Vergnügen, ihr zartes Köpfchen in jede Masche sinken lässt.

Es fühlt sich an, als würde man eine Feder in der Hand halten. Meine Bedenken, ob sie nicht doch zu kurz ist, haben sich, in noch kürzerer Zeit, in Wohlgefallen aufgelöst.

Und weil sie das süßeste, bezauberndste kleine Dingsda ist, was sich zwischen meinen Fingern aufhalten darf, habe ich sie „Zwergin“ getauft.

Auch bei diesem mehr- oder minder, Notkauf, kamen weder die ehrliche Beratung noch der nette Kontakt oder gar die liebevolle Verpackung und schnelle Versand zu kurz.

Und so wurde aus einem begeisterten Erstkunden, ein verzweifelter Wiederholungstäter, der möglichweise in Zukunft zum Serienkäufer wird, der schon jetzt gespannt ist, auf viele Kreation, tolle Farben und ein großartiges Miteinander.

Es ist schön, wenn das Werkzeug zum Hobby, am Ende genau so super aussieht, wie das Material selbst.

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